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Vaillant Group
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Wie wird ein Projekt zur Bewegung?

Interview

  • Nachhaltigkeit
  • Unternehmen


Seit zehn Jahren unterstützt die Vaillant Group SOS-Kinderdörfer mit Heiztechnik, Ideen und Engagement. Frederik Lippert ist im Unternehmen gruppenweit für diese Partnerschaft verantwortlich. Ein Gespräch über Hilfsaktionen, Wärme und Kreativität.

Vaillant Group
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Die Kooperation zwischen der Vaillant Group und den SOS-Kinderdörfern steht unter dem Motto „Weil jedes Kind ein warmes Zuhause braucht“. Was bedeutet das für Sie?

Unter einem warmen Zuhause verstehe ich einen geschützten, privaten Ort, der ermöglichen sollte, man selbst zu sein und Zeit mit den Menschen zu verbringen, die einem wichtig sind. Als Familienvater bedeutet das für mich: ein geborgener Raum, in dem Kinder mit Liebe und Respekt aufwachsen können.

Das klingt selbstverständlich – ist es aber nicht.

Richtig. Daher wollen wir diejenigen unterstützen, die all das leider nicht erfahren dürfen. Als Heiztechnikanbieter und Familienunternehmen spenden wir unserem Partner SOS-Kinderdörfer weltweit sprichwörtlich Wärme – in Form von moderner Heiztechnik. Darüber hinaus setzen wir vielfältige soziale Projekte um.

Vaillant Group
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© Gerhard Berger



Heiztechnik ist das Kerngeschäft der Vaillant Group. Warum geht das Engagement des Unternehmens darüber hinaus?

Das hat zwei Gründe. Der erste Grund ist ganz rational: Wenn wir ein SOS-Kinderdorf nur mit der Installation von Heiztechnik unterstützen würden, wäre die lokale Kooperation sehr punktuell. Aber Corporate Citizenship heißt auch, Beziehungen langfristig aufzubauen und zu pflegen. Der zweite Grund ist eher emotional: Wir sind über die Installation von Heiztechnik in vielen Ländern sehr nah an die Organisation herangerückt. Daher lag es auf der Hand, die SOS-Kinderdörfer neben der Heiztechnik auch über Fundraising, Know-how-Transfer oder Kommunikationsarbeit in ihrer Mission zu unterstützen.

Wenn Sie von Corporate Citizenship sprechen – was bedeutet das genau?

Hinter Corporate Citizenship steht die Überzeugung, dass Unternehmen immer in einem gesellschaftlichen und ökologischen Kontext operieren, für den sie eine Verantwortung haben. Im Jahr 2011 haben wir unsere weltweite Corporate-Citizenship-Guideline entwickelt. Dieses Grundsatzpapier definiert die Zielgruppen, Handlungsfelder, Instrumente und Kriterien bei der Übernahme unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Als Familienunternehmen möchten wir mit unserem Kerngeschäft einen Wertbeitrag für Kinder und Familien aus vulnerablen Umständen leisten. Als wir im Winter 2011 erfuhren, dass unsere ungarischen Kollegen das SOS-Kinderdorf in Battonya kurzfristig mit neuen Heizsystemen unterstützen möchten, stellten wir uns die Frage: Was wäre, wenn wir daraus eine weltweite Partnerschaft entwickeln?

Vaillant Group
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Die Projekte, mit denen die Vaillant Group die SOS-Kinderdörfer unterstützt, sind sehr vielfältig. Welche Rolle spielt Kreativität, wenn man helfen will?

Kreativität bedeutet, etwas Neues schaffen zu wollen. Bei uns steht am Anfang fast immer die Frage: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit hätten, den Centbetrag ihres Monatsgehalts unbürokratisch zu spenden? Was wäre, wenn wir dafür sorgen, dass ein therapeutischer Werkraum in einem SOS-Kinderdorf für die nächsten Jahre mit Materialien ausgestattet ist? Was wäre, wenn wir den Wiederaufbau des SOS-Kinderdorfs Brovary in der Ukraine noch in Kriegszeiten mit Wärmepumpen unterstützen? Wir arbeiten also immer mit einem großen „Was wäre, wenn“ und schauen dann beharrlich, wie sich die Idee umsetzen lässt.

Können Sie ein Beispiel für die Ideenfindung nennen?

In einem Projekt mit einem deutschen SOS-Kinderdorf hatten wir es mit Kindern der sogenannten Klärungsgruppe zu tun. Das sind sehr junge Kinder, bei denen noch nicht feststeht, wie es nach dem Aufenthalt im Dorf weitergeht. In einem Gespräch mit den Verantwortlichen vor Ort habe ich die Frage gestellt: „Wenn diese Kinder das Dorf verlassen, wer liest ihnen dann abends eine Geschichte vor?“ Die Antwort war: „Das wissen wir nicht“. So sind wir auf die Idee gekommen, jedem Kind, das diese Klärungsgruppe verlässt, eine Toniebox zu schenken – das sind würfelförmige Hörspielgeräte für Kinder mit sehr einfacher Bedienung. Wir dachten: Wenn die Kinder in ein neues Umfeld kommen, in dem ihnen vertraute Bezugspersonen fehlen, können wir ihnen wenigstens schöne Geschichten mitgeben. Das war eine ganz kleine Idee, die zeigt, wie man Wärme übersetzen kann.

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Das Besondere an dieser Kooperation ist für mich, dass wir von Anfang an niemanden überzeugen mussten, sich für die SOS-Kinderdörfer zu engagieren.

Frederik Lippert

Globaler Projektleiter


Die Zusammenarbeit hat sich mittlerweile vom einzelnen Projekt zur internationalen Bewegung entwickelt. Wie schafft man es, über Ländergrenzen hinweg Mitarbeitende zur Teilhabe anzuregen?

Das Besondere an dieser Kooperation ist für mich, dass wir von Anfang an niemanden überzeugen mussten, sich für die SOS-Kinderdörfer zu engagieren. Es war eher wichtig, über authentische Kommunikation Einblicke zu gewähren in die Organisation und gleichzeitig das Feuer weiterzutragen, das überall im Unternehmen entfacht wird, sobald man sich mit den SOS-Kinderdörfern auseinandersetzt. Ich mache das jetzt seit über zehn Jahren und ich habe bislang niemanden getroffen, keinen Mitarbeiter oder Fachhandwerkspartner, der nach einem Kontakt mit den SOS-Kinderdörfern nicht völlig positiv berührt war. Jeder versteht, was die SOS-Kinderdörfer machen, warum ihre Arbeit so wichtig ist, was das mit uns als Familienunternehmen zu tun hat und wie wir als Heiztechnikanbieter helfen können. Unsere Mitarbeiter haben die Möglichkeit, sich während ihrer Arbeitszeit für eine Kinderrechtsorganisation einzusetzen. Das schätzen sie sehr, weil es Sinn stiftet. Inzwischen ist das Engagement für unseren Partner Teil unseres Selbstverständnisses.

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Welche Kriterien sind bei der Auswahl eines Kooperationspartners entscheidend?

Die Ziele beider Organisationen müssen vereinbar sein – gerade wenn sie aus so unterschiedlichen Sphären kommen wie Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Bei den SOS-Kinderdörfern haben wir schnell gemerkt, dass beide Organisationen sehr gut miteinander harmonieren. Unsere Zusammenarbeit ist so erfolgreich, weil sie auf Augenhöhe stattfindet. Unsere Partner bei den SOS-Kinderdörfern sind sehr begeisterungsfähig für unsere Ideen und arbeiten höchst professionell. Das gibt uns viel Spielraum und Umsetzungskraft.

Ein Blick in die Zukunft: Was möchten Sie in den nächsten zehn Jahren mit der Kooperation erreichen?

Wir werden versuchen, unsere zwei Säulen – Heiztechnik und soziale Projekte – um eine dritte zu ergänzen, um den Bereich „Youth Employability“. Eine Ausbildungsoffensive für Jugendliche aus den SOS-Kinderdörfern, die meist keinen einfachen Start ins Berufsleben haben. Wir planen ein Pilotprojekt, um diese dritte Säule in die Partnerschaft zu integrieren. Vor allem wünsche ich mir aber, dass wir die Kooperation weiterhin so erfolgreich fortsetzen wie bisher. Und dass zu den 24 Ländern, in denen wir bereits aktiv sind, noch einige hinzukommen. Die Vaillant Group hat ihren Partnerschaftsvertrag mit den SOS-Kinderdörfern 2013 unbefristet verlängert. Unsere Mission für Kinder und Jugendliche steht nach zehn Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit also erst am Anfang.

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10 Jahre - 10 Geschichten

In zahlreichen spannenden Geschichten gewähren wir Einblicke in die internationale Kooperation mit SOS-Kinderdörfer weltweit. Den folgenden Geschichten werden regelmäßig weitere folgen.

Fotos von Fußmatte und Kindern in Hängematte, © Gerhard Berger

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