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Vaillant Group
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Der Glaube an die Zukunft

Interview

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Die Vaillant Group und SOS-Kinderdörfer weltweit verbindet eine internationale Partnerschaft. Seit 2013 unterstützt das Familienunternehmen die Kinderrechtsorganisation in über 20 Ländern. Mit moderner, energiesparender Heiztechnik und kreativen, sozialen Projekten. Barbara Gruner, Vorständin der SOS-Kinderdörfer weltweit, und Norbert Schiedeck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Vaillant Group, sprechen darüber, was die Kooperation für beide Partner so besonders macht. Auf welchem Wege Kinder und Familien in der Ukraine unterstützt werden. Wohin der gemeinsame Weg der nächsten Jahre führen wird.

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Frau Gruner, Herr Schiedeck, vor zehn Jahren haben sie einen weltweiten Partnerschaftsvertrag geschlossen. Was zeichnet die Zusammenarbeit der SOS-Kinderdörfer weltweit und der Vaillant Group für Sie aus?

Barbara Gruner: Die Kooperation mit der Vaillant Group nimmt eine besondere Stellung für uns ein. Es ist nicht die Regel, dass Unternehmenspartnerschaften so lange und so intensiv bestehen. Beide Organisationen sind in den letzten zehn Jahren eng zusammengewachsen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf beiden Seiten arbeiten sehr engagiert und mit großem gegenseitigen Respekt für eine gemeinsame Mission.

Norbert Schiedeck: Wir möchten als Familienunternehmen vor allem benachteiligte Kinder und Familien unterstützen. Die SOS-Kinderdörfer weltweit sind ein idealer Partner, um mit unserem Kerngeschäft einen sozialen Beitrag zu leisten. Die Zusammenarbeit ist überaus professionell, kreativ und wirksam. Wir konnten in den letzten Jahren mit unseren Produkten und unserem Know-how Kindern und Familien zu einem warmen Zuhause verhelfen. 76 SOS-Kinderdörfer in 24 Ländern mit Heiztechnik und sozialen Projekten zu unterstützen – das ist eine tolle Zwischenbilanz.

Welche Erfolgsfaktoren liegen einer so langfristigen Partnerschaft zugrunde?

Gruner: Es gibt viele Faktoren, die passen müssen. Ein gemeinsames Verständnis für die Ziele der Kooperation, der regelmäßige, offene und gegenseitig wertschätzende Austausch, das Vertrauen in die Stärken des jeweiligen Partners, die Orientierung an den Bedarfen des Anderen.

Schiedeck: Zentral ist, dass wir unsere Kernkompetenz einbringen können. Dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Partnerschaft mit Herzblut vorantreiben und so in vielen Ländern unterschiedliche Initiativen entstehen. Unsere Partner im Fachhandwerk, die von uns gespendete Heiztechnik fachgerecht installieren, sind eine große Stütze der Kooperation. Ohne ihren Einsatz wäre die Partnerschaft schlicht nicht möglich.

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Die SOS-Kinderdörfer weltweit und die Vaillant Group sind in den letzten zehn Jahren eng zusammengewachsen.

Barbara Gruner

Vorständin SOS-Kinderdörfer weltweit

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76 SOS-Kinderdörfer in 24 Ländern. An welche Projekte erinnern Sie sich ganz besonders?

Schiedeck: Bei einer so großen Zahl an Projekten ist es schwierig, Favoriten auszuwählen. Einen großen Neubau in Frankreich, den wir mit Wärmepumpen ausgestattet haben, finde ich genauso wichtig wie den Austausch einzelner Geräte im Bestand in Portugal. Sie alle zeigen, Vaillant engagiert sich in vielen Ländern dafür, dass jedes Kind ein warmes Zuhause hat.

Gruner: Neben der Spende von Heiztechnik denke ich auch an die vielen sozialen Projekte. Ihre Restcentspende in Deutschland, die Fundraising-Regatta in Frankreich, Weihnachtsaktionen in Spanien.

Die Unterstützung der SOS-Kinderdörfer seit Ausbruch des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine vereint diese beiden Bereiche. Können Sie uns einen Einblick geben?

Schiedeck: Unsere ukrainische Vertriebsgesellschaft ist bereits seit vielen Jahren für die lokale Organisation der SOS-Kinderdörfer aktiv. Wir haben moderne Heiztechnik gespendet, Jugendlichen Praktika und Sommerjobs vermittelt. Noch kurz vor Ausbruch des Kriegs haben unsere Kollegen die Krankenversicherung für 75 Kinder finanziert, die in der Obhut von SOS-Kinderdörfer leben. Mit dem Krieg hat die Situation der Kinder und Familien vor Ort leider eine völlig neue Dramatik erhalten.

Was war Ihre Reaktion?

Schiedeck: Es war uns wichtig, die humanitäre Nothilfe der SOS-Kinderdörfer schnell und umfassend zu unterstützen. Wir haben unmittelbar nach Kriegsausbruch eine weltweite Mitarbeiterspendenaktion ins Leben gerufen. Alle eingegangenen Spenden hat das Unternehmen verdoppelt und auf insgesamt 255.000 Euro aufgestockt.

Gruner: Diese Mitarbeiterspendenaktion verdeutlicht sehr schön, was das Besondere an unserer Zusammenarbeit ist. Die Vaillant Group versteht als unser langjähriger Partner unsere konkreten Bedarfe sehr genau und schafft es, Formate zu entwickeln, die schnell und effektiv helfen.

Schiedeck: Das gilt umgekehrt genauso. Wir haben uns im Falle der Ukraine sofort dazu entschieden, zu helfen. Dank der SOS-Kinderdörfer können wir Kinder und Familien in dem Kriegsgebiet zielgerichtet unterstützen.

Gruner: Hilfe in einem Kriegsgebiet ist ein gutes Stichwort. Der zweite Teil Ihrer Soforthilfe für die Ukraine hat uns besonders beeindruckt.

Schiedeck: Das ist ein sehr wertschätzendes Kompliment, das ich gerne an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergebe, die diese Hilfe ermöglicht haben. Beeindruckend ist Ihre Arbeit für die notleidenden Menschen vor Ort. Wir helfen dabei so gut es geht mit unseren Mitteln. Die ukrainischen Mitarbeiter von SOS-Kinderdörfer sind mit der Bitte an uns herangetreten, den Wiederaufbau des SOS-Kinderdorfs in Brovary in der Nähe von Kiew zu unterstützen. Wir haben sehr gerne ein umfassendes Paket aus Wärmepumpen, Gasbrennwertgeräten und Warmwasserspeichern zur Verfügung gestellt. Die Lieferung in ein Kriegsgebiet war eine Herausforderung. Ein abteilungsübergreifendes Team hat diese Aufgabe gelöst.

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© SOS-Kinderdörfer Ukraine/Oleksandra Zborovska

Gruner: Welche Bedeutung hatte für Sie denn der Umstand, dass mit der Lieferung wertvoller Heiztechnik in ein Kriegsgebiet auch ein Risiko verbunden ist?

Schiedeck: Die Entscheidung, gerade jetzt, in Zeiten des Krieges Heiztechnik für den Wiederaufbau des Kinderdorfs Brovary zu spenden, ist uns sehr leicht gefallen. Wir stehen an der Seite der Kinder und Familien der Ukraine. Wir glauben an ihre Zukunft. Wenn wir mit unserem Kerngeschäft einen Beitrag dazu leisten können, diesen Menschen etwas Normalität zurückzugeben, machen wir das gerne.

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Wir haben Heiztechnik zum Wiederaufbau des SOS-Kinderdorfs Brovary gespendet, weil wir an die Zukunft der Kinder und Familien der Ukraine glauben.

Dr.-Ing. Norbert Schiedeck

Vorsitzender der Vaillant Group Geschäftsführung

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Frau Gruner, Sie selbst kommen gerade aus der Ukraine. Dort hatten Sie auch Gelegenheit, das SOS-Kinderdorf Brovary zu besuchen. Können Sie uns Ihre Eindrücke schildern?

Gruner: In meiner Berufserfahrung in der humanitären Hilfe habe ich schon in den verschiedenen Projekten gearbeitet und viel gesehen. Der Besuch in der Ukraine hatte für mich aber eine ganz neue Qualität. Die Unmittelbarkeit des Leids der Kinder und Familien, die Gnadenlosigkeit der alltäglichen militärischen Bedrohung, die Beklommenheit, die in einem Land im Krieg herrscht – das sind Eindrücke, die ich sehr intensiv wahrgenommen habe. Das Besondere ist hier auch, dass statt der sonst üblichen Reihenfolge von Soforthilfe, Rehabilitation und Infrastrukturprojekten in dieser Krise alle Prioritäten gleichzeitig und gleichberechtigt sind. Wir leisten Nothilfe, machen Sozialarbeit für Kinder und gleichzeitig reparieren wir Häuser für vertriebene Familien und lassen neue Heiztechnikung in Brovary installieren.

Wie stellt sich die Situation der Kinder und Jugendlichen in ihren Programmen genau dar?

Gruner: Die Lebenssituation der Menschen richtet sich stark nach dem Standort, an dem sie sind. Je weiter östlich, näher an der Front, desto lebensfeindlicher sind die Bedingungen. Im Westen des Landes ist die Situation sehr viel sicherer, gleichzeitig ist die Last des Krieges auch hier zu spüren. Es gibt eine große Zahl von Binnenflüchtlingen, die aus den umkämpften östlichen Gebieten flüchten mussten. Das übt dort wiederum Druck auf die Bereitstellung von Notunterkünften, Hilfsgütern und Bildungsangeboten für Kinder aus, deren Schulalltag unterbrochen worden ist. In unseren Sozialzentren versuchen wird, auch unter diesen Bedingungen verlässliche Angebote für Kinder und Familien zu machen.

Hatten Sie Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen, die ihre Heimat im Osten der Ukraine verlassen mussten?

Gruner: Ich konnte viele, auch persönlich berührende Gespräche führen. Eines wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Valentyna ist eine Mutter von drei Pflegekindern, die vor den nahenden russischen Truppen aus ihrem Dorf in der Ostukraine flüchten wollte. Ihr Mann war dagegen. Eines nachts fasste sie allen Mut zusammen und verließ mit ihren Kindern die Umgebung des vertrauten Dorfs – zum ersten Mal in ihrem Leben. Unter sehr schwierigen Bedingungen und in großer Angst schlug Valentyna sich bis zum Bahnhof durch und stieg in einen Zug, der sie und tausende anderer Vertriebene nach Kiew brachte. Dort wurde sie von einem Mitarbeiter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen empfangen, der unsere Mitarbeiter im SOS-Kinderdorf Brovary verständigte. Vor dem Fahrer des Dorfes, der Valentyna am Bahnhof abholen wollte, versteckte sie sich jedoch mehrere Nächte, weil er dieselbe schwarze Jacke trug, die eine Gruppe von Männern anhatte, die sie und ihre Kinder auf dem Bahnhof bedroht hatten. Als sie sich ihm schließlich zu erkennen gab, brachte der Fahrer sie in das SOS-Kinderdorf Brovary. In Sicherheit.

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© SOS-Kinderdörfer Ukraine/Oleksandra Zborovska

Wie geht es Valentyna inzwischen?

Gruner: Ich habe den Eindruck, dass sie angekommen ist. Sie sorgt liebevoll für ihre drei Pflegekinder, zwei davon haben eine leichte geistige Behinderung. Sie hat zuletzt sogar zwei weitere Kinder, die ohne elterliche Fürsorge sind, in ihre kleine Familie aufgenommen. Wenn wir davon sprechen, dass unsere Hilfe Kreise zieht, denken wir an Menschen wie Valentyna. Die helfen, wenn man ihnen hilft. In diesem Lichte ist auch die Heiztechnikspende der Vaillant Group zu sehen. Valentyna und ihre Kinder sind unter den ersten, die die Vaillant-Wärme in Brovary spüren.

Schiedeck: Das ist eine Geschichte, die Grund zur Hoffnung macht. Auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellt die Situation eine enorme Belastung dar. Wir telefonieren wöchentlich mit unseren Kolleginnen und Kollegen vor Ort, schauen, wie wir sie und ihre Familien im Alltag unterstützen können. Ich schätze das Team um unseren Länderchef Alexander Rohn sehr, das seine Arbeit trotz aller Widrigkeiten mit großer Leidenschaft fortsetzt.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie als Kinderrechtsorganisation in der Ukraine?

Gruner: Wir haben direkt nach Kriegsausbruch ein umfassendes Hilfsprogramm gestartet. Betroffene Kinder und Familien erhalten Unterstützung bei der Evakuierung und Unterkunft. Wir versorgen sie mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Decken und Medikamenten. Unterstützen elternlose Kinder und besonders bedürftige Familien, leisten psychologische Soforthilfe und Traumabehandlung, bieten Bildungsmaßnahmen für Kinder an, die in Sicherheit sind. Bei allen Erfolgen ist aber klar: In den Irrungen des Krieges leiden Kinder ganz besonders. So werden ukrainische Kinder systematisch aus ihrer Heimat nach Russland verschleppt. Die offiziellen Zahlen gehen von aktuell 20.000 Kindern aus, die inzwischen in Russland leben. In den letzten Monaten ist es unserem ukrainischen Team gelungen, erste Kinder zurückführen und mit ihren Familien zu vereinen. Das ist sicher nur ein Anfang. Am Ende kommt es auf das Wohl jedes einzelnen Kindes an.

Schiedeck: Kinderschutzverletzungen, die sogar unter dem Dach der SOS-Kinderdörfer stattfinden konnten, zeigen, wie wenig international verbriefte Rechte von Kindern und Jugendlichen in vielen Teilen der Welt heute geachtet werden. Als Unternehmen sind wir uns der schwierigen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen bewusst, unter denen SOS-Kinderdörfer agiert. Gleichzeitig haben wir in unserem Austausch betont, wie wichtig vollständige Transparenz bei der Aufarbeitung der Fälle ist.

Gruner: Diese Verantwortung nehmen wir als weltweit aktive Kinderrechtsorganisation sehr ernst. Ich stehe als Vorständin persönlich für den Weg der Transparenz und Konsequenz. Wir fahren eine klare Null-Toleranz-Strategie in der Frage von Kinderschutzverletzungen innerhalb unserer Organisation. Jeder Fall ist einer zu viel. Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren daran, den Kinderschutz zu stärken. So haben wir alle Mitarbeiter und Führungskräfte zum Thema Kinderschutz geschult und unsere Kinderschutzrichtlinien weiterentwickelt und verschärft. Das gilt auch für unsere Besucherrichtlinien. Wir glauben fest an die Mission der SOS-Kinderdörfer und werden alles uns Mögliche tun, um einen lückenlosen Kinderschutz sicherzustellen.

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Lassen Sie uns gemeinsam in die Zukunft blicken. Eine naheliegende Frage zum Abschluss: Wo sehen Sie die Partnerschaft in den nächsten zehn Jahren?

Schiedeck: Zehn Jahre sind für ein Familienunternehmen, das in und für Generationen denkt, eine vergleichsweise kurze Zeit. Wir möchten die Kooperation in der Breite und Tiefe intensivieren. Weitere SOS-Kinderdörfer in noch mehr Ländern mit moderner Heiztechnik ausstatten. Weitere kreative soziale Projekte umsetzen und unsere Fachpartner noch stärker in die Kooperation integrieren. Gleichzeitig fände ich es spannend, wenn wir den beiden Säulen – Heiztechnik und soziale Projekte – perspektivisch eine dritte zur Seite stellen könnten. Das Schwerpunktthema „Youth Employability“ der SOS-Kinderdörfer finden wir sehr unterstützenswert.

Gruner: Dem kann ich mich nur anschließen. Wir möchten die bestehende Zusammenarbeit mit der Vaillant Group auf dem bereits sehr hohen Niveau fortführen und wo möglich weiter ausbauen. Das Verständnis, das beide Organisationen für die Arbeit des jeweiligen Partners haben, möchten wir gerne auch in neuen Feldern nutzbar machen. Ich freue mich auf unsere nächsten gemeinsamen Schritte.

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10 Jahre - 10 Geschichten

In zahlreichen spannenden Geschichten gewähren wir Einblicke in die internationale Kooperation mit SOS-Kinderdörfer weltweit. Den folgenden Geschichten werden regelmäßig weitere folgen.

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